Das E-Rezept kommt...bald!

Geplant ab 1. Januar 2022 soll bundesweit das neue E-Rezept eingeführt werden. Hier verraten wir Ihnen, wie der aktuelle Stand der Dinge ist und beantworten die wichtigsten Fragen.

E-Rezept - warum überhaupt? Und was habe ich als Patient davon?

Mit dem durch Jens Spahn bereits im Oktober 2020 eingeführten "Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in der Telematikinfrastruktur (Patientendaten-Schutz-Gesetz –PDSG)" verfolgt die Bundesregierung verschiedene Ziele. Zum einen hinkt Deutschland in diesem Bereich der Digitalisierung anderen Ländern deutlich hinterher. Gerade Nordeuropäische Länder sind hier Spitzenreiter - in Finnland z.B. werden alle Arzneimittel-Verordnungen bereits jetzt digital abgewickelt (Quelle: EU-Studie "Health at a glance", zitiert nach DAZ.online). 
Ziel ist u.a. die Harmonisierung der Gesundheitsmärkte innerhalb Europas und damit auch eine gewisse Neuordnung und Öffnung bestehender Marktstrukturen in Richtung Onlinehandel (v.a. dadurch, dass Rezepte nicht mehr physisch auf Papier an den Online-Händler gesendet werden müssen). Auf der anderen Seite profitieren Patienten insofern, dass die Behandlung mit Arzneimitteln sicherer wird, Abläufe in der Arztpraxis und der Apotheke vereinfacht werden und die "Zettelwirtschaft" im Gesundheitswesen mittelfristig beendet wird. 
Auch im Zusammenhang mit neuen Behandlungs- und Beratungsmodellen (Stichwort "Videosprechstunde") macht die Einführung des E-Rezepts durchaus Sinn. Allerdings erst in Kombination mit den zukünftigen Möglichkeiten der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) spielt die mit dem E-Rezept verbundene Technologie dann Ihre Stärken vollständig aus. Das E-Rezept ermöglicht nicht nur neue digitale Anwendungen (wie Medikationserinnerung etc.) sondern legt auf Wunsch dem Arzt oder Apotheker den Medikationsplan vor, so dass es einfacher wird, diesen z.B. auf Wechselwirkungen hin zu überprüfen (diesen Service bieten wir in Saarlouis und Differten als Pilotapotheken im Bereich der Arzneimittel-Therapiesicherheit übrigens auch heute schon gegen eine geringe Gebühr an!). Langfristig erhöht sich dadurch die Patientensicherheit deutlich und die Gesundheitsversorgung wird hiermit für die digitale Zukunft fit gemacht.

Wen betrifft das E-Rezept?

Zunächst erfolgt die Einführung nur im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), das betrifft etwa 90% der Menschen in Deutschland. Privatpatienten werden vermutlich noch länger mit dem bisherigen Papierrezept umgehen müssen. Und auch innerhalb der GKV betrifft das E-Rezept ausschließlich den Bereich der verschreibungspflichtigen Medikamente. Betäubungsmittel (z.B. starke Schmerzmittel) und Medikamente mit dem sog. T-Rezept müssen bis Ende 2022 weiterhin mit dem bisherigen Papierrezept verordnet und eingelöst werden, hier ist die Umstellung auf E-Rezept erst zum 01.01.2023 geplant. Frei verkäufliche Medikamente (OTC-Produkte) und Nahrungsergänzungsmittel sind i.d.R. auch weiterhin nicht verschreibungsfähig.

Wie funktioniert das E-Rezept genau?

Die hinter dem E-Rezept stehende Technologie ist extrem komplex und befindet sich teilweise noch in Entwicklung. Daher soll hier auf Details nicht eingegangen werden. Ganz grob formuliert: Arzt und Apotheke nutzen zukünftig eine gemeinsame Datenbank, in der die Verordnungen abgespeichert werden. Der Arzt speichert die Daten im System, der Apotheker kann sie abrufen und die Medikamente an den Patienten abgeben oder beliefern. Damit die Zuordnung korrekt erfolgen kann, bekommt der Patient quasi eine "Kopie" der gespeicherten Daten. Auf diese Daten kann mit sog. QR-Codes ("Quick Response Codes", Token oder Patienten-Schlüssel genannt) zugegriffen werden. Das klappt nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip und der individuell vom Arzt überreichte Code passt nur in dieses spezielle Schloss der persönlichen Verordnung. 
Den "Schlüssel" bzw. QR-Code bekommt der Patient entweder als Papierausdruck oder er kann diesen in der eRezept-App abrufen. Die App ist bereits jetzt verfügbar (allerdings noch funktionslos) und ermöglicht es, den Code an die Apotheke nach Wahl zu senden. Auch eine Verfügbarkeitsabfrage vorab wird so möglich. Und: zukünftig kann man die verschiedenen Positionen eines Rezepts auf verschiedene Apotheken aufteilen (bisher muss eine Apotheke ein Rezept komplett beliefern, was zu Problemen führt, wenn einzelne Medikamente gar nicht lieferbar oder erst später verfügbar sind).

Wie ist das mit dem Datenschutz?

Mit höchster Gründlichkeit hat man sich dem Thema Datenschutz gewidmet. Die Daten werden nicht einfach auf einer "Cloud" im Internet abgespeichert sondern auf einem eigenen, hochverschlüsselten und abgesicherten Netzwerk, auf das nur die beteiligten Gruppen (Ärzte, Apotheker, Krankenkassen, Abrechnungsstellen etc.) Zugriff haben. Hierzu ist in vielen Fällen sogar eine eigene Hardware in den Praxen und Apotheken notwendig. Nach aktuellem Stand ist diese sog. Telematik-Infrastruktur (hier "gematik" genannt) extrem sicher vor äußeren Zugriffen. Somit sollten auch sensible Patientendaten dauerhaft geschützt sein.  

Kann ich mir meine Apotheke weiterhin selbst aussuchen?

Selbstverständlich! Gerade in diesem Punkt hat der Gesetzgeber dafür gesorgt, dass über die zentrale, wettbewerbsneutrale E-Rezept-App für den Patienten weiterhin maximale Wahlfreiheit besteht, wo er oder sie das Rezept einlösen möchte. Sog. Drittanbieter-Apps (z.B. von Online-Apotheken) bekommen ihre Daten genauso wie die Apotheke vor Ort über diese offizielle E-Rezept-App. 

Was ändert sich ganz konkret für mich als Patient?

Ehrlich gesagt: am Anfang der Einführung vermutlich nicht viel. Und später auch nur wenig. Die mit dem E-Rezept verbundene App muss sich in der Bevölkerung erst durchsetzen. Und damit diese wirklich in vollem Umfang genutzt werden kann, benötigt man die spezielle Gesundheitskarte seiner GKV (mit CAN-Nummer und Kontaktloszeichen) und darüber hinaus auch eine PIN zur Registrierung in der App, die man von der Krankenkasse bekommt. Bis die elektronischen Funktionen aktiv sind, bekommt der Patient weiterhin einen Papier-Ausdruck in der Praxis überreicht. Dieser enthält QR-Codes für bis zu 3 Medikamente, die man wie bisher in der Apotheke seiner Wahl einlösen kann. Genauer gesagt ist der Papierausdruck aber nun kein Rezept im bisherigen Sinne mehr sondern nur noch ein Beleg für die vom Arzt im System gespeicherten Daten, die die Apotheke über das EDV-System abrufen kann. Das Papier hat seinen Wert nur in Kombination mit den zuvor gespeicherten Verschreibungs-Daten.
Viele technische Details und Abläufe werden zur Zeit noch entwickelt und können sich bis zur Einführung noch ändern. Klar ist aber jetzt schon: Die großen Veränderungen wird es v.a. auf Seiten der Apotheken geben. Und für die Ärzte. Als Patient merkt man gerade in der Übergangszeit voraussichtlich sehr wenig. Es besteht kein Zwang, die elektronische App zu nutzen und auch auf Dauer kann man das E-Rezept auf Papier erhalten und vor Ort einlösen. 
Möchte man den Vorbestell-Service oder Botendienst der Apotheke vor Ort nutzen, scannt man wie bisher das E-Rezept ein oder schickt der Apotheke ein Handy-Foto. Dann kann die Apotheke auch "auf Distanz" das E-Rezept bearbeiten und die Medikamente bereitstellen bzw. ausliefern. Im Gegensatz zum bisherigen Papierrezept hat das E-Rezept dann aber den Vorteil, dass man kein Originalrezept mehr für den Boten aufheben und abgeben muss.

Was passiert, wenn das System bei meinem Arzt oder meiner Apotheke mal ausfällt?

So blöd das klingt: in diesem Fall kann das E-Rezept nicht verwendet werden. Aus diesem Grund wird der Arzt auch weiterhin in der Lage sein, die alten, bisherigen Rezeptformulare auszustellen und die Apotheke wird diese auch auf Dauer einlösen können. Wie gesagt: das E-Rezept (der Papierausdruck) ist kein Rezept im bisherigen Sinne sondern nur ein neuer Weg, die Daten zwischen Arzt, Patient und Apotheke zu übermitteln.

Wie ist der Zeitplan für die Einführung des E-Rezepts?

***1. Juli 2021: Start Pilotprojekt in Berlin und Brandenburg*** 
Praxen und Apotheken erhalten auf freiwilliger Basis Zugriff auf die technische Infrastruktur des E-Rezepts in Form eines Echtbetriebs. Diese Phase zielt vor allem darauf ab, die technischen Systeme zu testen und alle Schnittstellen fehlerfrei aufzusetzen. Auch Patienten nehmen als Freiwillige an der Einführung teil. Im Anschluss erfolgt die Auswertung der Testphase 

***1. Januar 2022: Verpflichtende Einführung in ganz Deutschland*** 
So zumindest der Plan. Viele Aspekte müssen erst erprobt und dann ggf. angepasst werden. Und die Technologie ist komplex und erfordert das reibungslose Funktionieren einer Vielzahl von technischen und organisatorischen Schnittstellen. Branchenverbände mahnen aktuell alle Beteiligten zur Gelassenheit. Das Ziel Januar 2022 ist v.a. politischer Wunsch. In Realität funktioniert die Digitalisierung unserer Lebensbereiche meist langsamer, wie die Corona-Zeit sehr klar offengelegt hat. Daher gilt gerade für Sie als Patient oder Patientin: nicht verrückt machen lassen!